Kampfflugzeugbeschaffung in der Schweiz

Als ehemaliger Offizier der US Air Force, der u.a. in der Kampfflugzeugbeschaffung tätig war, betrachte ich die Diskussion über Kampfflugzeuge in der Schweiz mit etwas Erstaunen. Nicht, dass die USA dies richtig macht - das laufende Desaster mit der Wollmilchsau F-35 liefert dafür genügend Beweise. Die kleine Schweiz kann sich solche teuren Fehler nicht leisten. Machen wir es also bitte richtig!

Die Anschaffung eines militärischen Systems beginnt mit einer Bedrohungsanalyse. Wenn wir über diese Anschaffung abstimmen sollen, wünschen wir, dass unsere Regierung ihre Analyse mit uns teilt. Da dies nicht der Fall ist, beginnen wir von Vorne: Wie sieht die Bedrohungslage der Schweiz aus? Basierend auf die Bedrohungen und deren Wahrscheinlichkeit können wir entscheiden: Wie viele Ressourcen sollen wir in welche Systeme investieren?

Es gibt drei Kategorien von Bedrohungen, die wir in Betracht ziehen müssen: militärische Angriffe, terroristische Akte und zivile Aktionen. Diese können jeweils in der Luft (z.B. gekaperte Flugzeuge) oder am Boden (z.B. Grossdemonstrationen) stattfinden.

Nehmen wir die erste Kategorie unter die Lupe: militärische Angriffe. Hier kommen die Stärken moderner Kampfflugzeuge zum Vorschein: Sie sind gewappnet, gegen andere militärische Flugzeuge aufzutreten. Nun stellt sich die Frage: Welche unserer Nachbarn soll uns militärisch angreifen? Dieses Szenario ist derart unwahrscheinlich, dass es keine sehr teure Anschaffung rechtfertigen kann. Es dienst höchstens als Stärkung eines anderen Szenarios: Wenn man Systeme anderswo rechtfertigt, kauft man vielleicht eine Waffe mehr.

Die weiteren Szenarien — terroristische und zivile Aktionen — fassen wir aus Platzgründen zusammen und teilen wir in zwei Arten von Ereignissen auf: Aktionen in der Luft und Luftunterstützung für Bodenaktionen.

Ereignisse in der Luft variieren von Begleitmissionen verschiedener Arten über gekaperte Flugzeuge bis zu Kamikaze-Flügen. In allen Fällen geht es um unbewaffnete zivile Flugzeuge. Die Anforderungen an das Schweizer Militär sind zweierlei: Die Fähigkeit, (1) zivile Flugzeuge zu überholen und zu begleiten, und (2) falls notwendig, zivile Flugzeuge zu zerstören.

Bodenereignisse sind vielfältig, aber diejenige, die Luftunterstützung benötigen, sind hauptsächlich Grossdemonstrationen: in den Städten, an der Grenze, oder rund um spezielle Anlässe wie das WEF. In allen Fällen ist es offensichtlich, dass Loiter-Zeit die wichtigste Eigenschaft ist: Hierfür braucht man Hubschrauber, nicht Kampfflugzeuge. Diese Anlässe können wir von unserer jetzigen Analyse ausschliessen.

Es bleiben nur die Ereignisse mit zivilen Flugzeugen. Die Geschwindigkeit von Passagierjets ergibt die Anforderung, dass die Schweizer Militär ebenfalls Jets einsetzt. Zivile Flugzeuge sind ungeschützt und unbewaffnet: Es braucht keine Verteidigungssysteme (Tarnkappen, ECM, usw.) und eine leichte Bewaffnung reicht vollkommen, um solche Flugzeuge zu bedrohen und nach Bedarf zu zerstören.

Die Anforderungen in einem Satz zusammengefasst: Das Schweizer Militär benötigt die Fähigkeit, zivile Flugzeuge einzuholen, zu begleiten und im Ernstfall zu zerstören. Mit modernen Kampfflugzeugen schiessen wir mit Kanonen auf Spatzen. Es gibt eine Reihe von leicht bewaffneten Flugzeugen, die grössere Länder als Jet-Trainer betrachten: Diese erfüllen die Bedürfnisse der Schweiz zu einem Bruchteil des Preises von vollwertigen Kampfjets.

Die Vorschläge des Schweizer Militärs sind übertrieben. Als günstigstes Flugzeug in der Reihe ist die Gripen bereits ausgeschieden, obwohl die Hanger-Queen F-35 im Rennen bleibt. Im gesamten Prozess ist keine durchdachte Analyse ersichtlich. Ich empfehle ein ┬źNein┬╗ zu den neuen Kampfflugzeugen.

Bradley Richards
Switzerland
August 2020